Neuschneeschwer



Meine Worte fallen neuschneeschwer

Wenn es Nacht wird, unter deiner gekreuselt
Selten blassen Stirne Und der Herbst hat
Sich bereits in dein Gemüt verlegt: Wolken,
Verhängnisvolle Und ein Himmel ohne
Sterne, dem dein Herz zuwider schlägt.

Wenn es Nacht wird und schon kälter Und die
Menschen rücken nah zusammen Enger
Als es einer glauben mag Eng umschlungen
Und so wirklich, wirklich nah umfangen harren sie
Blätter fliegen, und der Verkehr fließt zäh.

Und die Nereiden am Mendebrunnen flüstern
Eisern Wir sind doch auch nur einsam, seit
Der stete Wasserstrom verglommen
Bitte komm! Ach, bitte bleib‘ doch hier!
Doch ich gehe, bin ein knabenblasses Kind
Des Donners:  So harren sie, so harre hier:

Trost Halt Frostklarheit aber suche
Ich Bin ich älter? Bin ich weiser?
Ich bin älter, bin nicht weiser, bin nur
Ein wenig heiser, die Worte, sie fallen
Noch immer schwer Noch bin ich nicht
ganz verstummt.

 
 

»Am Ende kämpft man doch immer mit offenen Visier« (die Wochen #11, 12 & ein Abschied)

Das »Fremdbild
(gezeichnet von L., wobei ich auch das mangaartige von B. gern mochte)
vor dem Hintergrund des eigenen Musters«.


»Am Ende kämpft man doch immer mit offenen Visier« (die Wochen #11, 12 & ein Abschied):

Ich packe meine Koffer, und nehme mit:

»Am Ende werden Sie mit mehr Fragen über und an sich gehen, als Sie gekommen sind.« (Fr. Dr. T.) Stimmt.
»Wenn etwas hier [in der Musiktherapie] passiert, dann ist es auch da.« (Fr. P. zu R.)
»Freunde, ja, die sucht man sich doch aus.« (D.)
»Hey, wenn du mal fortgehst, dann nimmst du mich gefälligst mit!« (S.) Hätte ich gern. Aber stimmt wohl leider nicht.
»pffff.« (ich, für L.)
»Na, dann aber ran an den Speck!« (Hr. G.)
»Es ist immer nur ein Anstoß hier.« (Schwester E.)
»Ein Tipp noch: Wenn Sie mal eine Frau kennenlernen wollen – dann nicht in diesen Hosen.« (Schwester K.) Stimmt nicht. Es gibt durchaus auch Frauen, die Karo-Shorts mögen.
»Und was werfen Sie in die Waagschale? Oder verhandeln Sie da gar nicht?« (Hr. G.)
»Ran an den Speck!« (Y., Hr.n G. zitierend)
»Swish!« (ich, für J.)

& tschüss! Es war schön, aber es ist Zeit zu gehen. Mit besonderen Dank an T., der im Auftrag mein Abschiedsbild gemalt hat, obschon er doch auch gar nicht mehr auf Station war. Danke, euch allen, ihr habt mich wieder neugierig gemacht, auf mich und auf Menschen, oder, wie L. sagen würde, wieder »das Feuer« geweckt.
gelesen: Neruda: Gedichte und de Cervantes Saavedra: Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von la Mancha, Bd. 1. Lieblingslauschgift: Laura Marling - A Creature I Don‘t Know, meine liebste Libertines-B-Seite: Plan A und D.s heiter-munteres Zukunftsgeklimper für mich (und, wie ich hoffe, auch ein wenig sich). Ich jedenfalls bin gespannt.



 
 

Den Wal zu Wasser lassen (die Wochen #8, 9, 10 im Zeitraffer)

Hase vs. Igel: The city’s hard, the city’s fair empfiehlt „Songs for Alice“, Figurentheater Wilde & Vogel
in Koproduktion mit dem Lindenfels Westflügel, nächste Termine, ebd. ab 03/2012.
  
...und nimmt ab sofort auch wieder Auftragsarbeiten in Acryl an.



»Den Wal zu Wasser lassen« (die Wochen #8, 9, 10 im Zeitraffer)
Sätze der vergangenen Wochen (8, 9, 10): »Er ist dort lang gegangen. Oder gehen wir dort lang? Ahh, wir müssen uns entscheiden, wir müssen uns entscheiden!!« & »Hab‘ ich extra groß geschrieben: P-R-O-V-O-K-A-T-I-O-N!« Ansonsten: The Blood Arm meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit (neben der der zehn anderen Besucher) im WERK 2 geschenkt. Ohne Alice, aber mit S. im Figurentheater gewesen, Karten für's UT Connewitz besorgt und Kaffee getrunken. Nähe ausgehalten, da gewesen, Nähe geschenkt. Gedanken geteilt, geplaudert, gewütet, geschimpft, gelächelt, gedrückt, gesprochen, gebrüllt, Türen geknallt, das Sprechen gelernt, das Glockenspiel und den Gong, das Wort ergriffen, das Wort gepflegt, Offenheit ge- & versucht, Hilfe angeboten, Zeit geteilt, Disziplinarmaßnahmen gefürchtet, fern und in die Zukunft gesehen, Ziegenschlachtungen beigewohnt und King Kong vs. Naomi Watts, stricken gelernt und aufzumaschen, alles wieder aufgetrennt, & von vorn angefangen, ein neues Magisterarbeitsthema beschlossen, den Wal zu Wasser gelassen, den Bären getrotzt, mit ihnen gelacht, mit den Wölfen und Pinguinen verbündet, den Irbis Raben zerfleischen lassen, Briefe gelesen, Briefe verfasst, dem Blues auf der Ukulele gefröhnt, Pablo Neruda-Gedichte geliebt, den Spind ausgeräumt, den der Tagespatienten bezogen: ich bin nie hier gewesen, ich bin schon da. Lesestoff: zu Ende: Stendhal: Novellen, nebenher Neruda: Gedichte, angefangen: de Cervantes Saavedra: Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von la Mancha, Bd. 1. Lieblingslauschgift: Laura Marling - A Creature I Don‘t Know, The Blood Arm - All My Love Songs EP.



 
 

Zugzwang


Zugzwang
Und das mit verschränkten Armen:
Wir entfernen uns. stetig. jetzt.
Du erzählst von all der Wärme, die
Dir in deinem Leben bislang fehlte.
Ich aber, der ich keine Nähe aus-
halte, tippe dir auf die Schulter,
sage, wo hast du denn dann all meine
siebenundzwanzig Winter gesteckt?
Uns entfernen wir stetig.
Und das ist das Jetzt.

 
 

Guck‘ mal...

Guck‘ mal...




The city’s hard, the city’s fair fragt, und das nicht ohne Empörung, was sollten dieser ganz profund-profane Topf fleischlastiger Männernahrung und der Rest der Menschheit an Eigenschaften denn teilen?

 
 

Das Gefühl der Einsamkeit hat mich wieder...

[klick für groß]
Das »Selbstbild« mit einem von mir willkürlich gewähltem Bild (Nepal),
einem Stoff (gestreift), einem Papier (orange, ungebleicht), einem Muster (2 Tone),
einem Wort (unwirsch) und den mir von den anderen zugeschrieben Farben
(schwarz, weiß, grün, blau, blau) darin. Was sehen Sie? Was sehen Sie hier?

Das Gefühl der Einsamkeit hat mich wieder
(hinter Mocherwitz angefallen & überrannt)

Nimm‘ doch nur einmal dieses Gefühl
deiner eigenen Unzulänglichkeit, das dazu
führt, dass du auch jeder Frau, die auch nur
bereit ist, auch nur ein wenig Interesse an
zu deuten, ein eitelraues Ich liebe
dich entgegen zu raunen, ein Ich
liebe dich, was heißt, ich lieb‘ nicht
mich, drum‘ lass mich ziehen
jetzt lass mich fliehen und
davon abgesehen, ich tu‘ dir
nichts, ich tue alles für dich, ich tu‘ dir
nicht gut, drum‘ lass mich gehen –
nach Pröttitz, Krostitz, Hohenheida, Wiesenena,
Plagwitz, Probstheida oder Glesien.


Trauriger Tantris des Ostens, mein,
selbst in den narzisstischsten Momenten, dein,
bleibst du ein defizitärer, seltsam verschlossener,
schwarzmagischer, ja, ein negativer Narziss,
Obskurant und Alchemist okkulter Tränke.

Oder die Melancholie der feinen Geister
das ist etwas für Domestiken.
Wut und Trauer, Groll und Gram, Angst und
Stolz und ein wenig der ausgelassenen
Freude, hoher muot, das ist es, was mich treibt
und eben jene Traurigkeit.

Doch ihr erzählt von Langeweile, und wie die Tage
Zu füllen seien. Lang weilt euch doch zu Tode!
Nur, bitte, verschwendet nicht meine Zeit.

 
 

Guck‘ mal...

Guck‘ mal...




...mein Chillichillah!


Anm. (1) Sollte Ihr fellbewehrter Untermieter in der Tat mit solch einem Blick aufwarten, können wir Ihnen nur raten, das Futter zu wechseln oder Sie sollten im (Achtung - wirklich ein Originalzitat!) »formschönen« Nagertunnel bei Gelegenheit mal nachsehen, wo der kleine Schelm das Koks nun versteckt hat. Hängt Ihr chilliger Widerpart (2) hingegen desöfteren einfach so herum, dürfte alles ganz grasklar sein, oder? Oder? Wir hingegen schnüffeln derzeit am liebsten das (3)...


...und können die im WERK 2 abgestaubte Setlist von The Blood Arm vorzeigen. Was aber auch nicht schwer war, da‘s ganze elf (!) oder waren‘s 16 (es ließ sich jedenfalls an einer Hand abzählen, und ich weiß nicht mehr, ob ich zwei oder drei Mal rum war) als der Sänger der doch so fabelhaften Band zum letzten Mal ansetzte, die Namen derjenigen aufzuzählen, die es vergangenen Sonntag tatsächlich in dieses wirklich schöne, aber sonntäglich eben recht leere Venue gezogen hatte und die nicht einer der beiden Supportbands (beide übrigens durchaus auch ein Grund, da gewesen zu sein) angehörten. Nicht ohne Stolz sei hier ein großes Ääätsch erwähnt, fiel der eigene Name vor dem absoluten The Blood Arm-Lieblingssong, die es sich nicht nehmen ließen, trotzdem (oder gerade deshalb) noch eine Zugabe zu spielen oder die Nähe des Publikums abseits der Bühne zu suchen. Lagerfeueratmosphäre inklusive.

 
 

»Wie das gehen soll?«, The Messner is in the details, Altera Ithaca Now! (Wochen #5,6,7 zackaufzack)

»Wie das gehen soll?« - [klicken!]

The Messner is in the details.

»Wie das gehen soll?«, The Messner is in the details, Altera Ithaca Now! (Wochen #5,6,7 zackaufzack)
Satz der vergangenen Wochen (weil er so auf den Punkt kam, so süß war, und ich ihn wohl genauso in den Raum gestellt hätte und er jetzt, übertragen, ganz gut passt): »Ein Spiegel? Ich hab‘ gar keinen Spiegel.« Ansonsten: den Gruppenaufstieg geschafft, gelacht, gehofft, geliebt, gesorgt und Wut gehabt, geredet, gesprochen, geschwiegen, geschrieben, Short Messages gestoppt, beklommen gehofft, zerronnen, wie gewonnen, den Körper verbogen, gegrollt, gehadert, tief eingeatmet, DVDs verborgt, durch die Südvorstadt geirrt (Chuckamuck! Die Sterne!), tief ausgeatmet, nach Plagwitz gefunden, Ikea-Regale gestemmt, mal nicht geschwommen, beklommen gehofft, ebenso zerronnen, wie wiedergewonnen, die Südvorstadt gerockt (Art Brut!), es ohnwillig zum Stationssprecher geschafft, gelesen, gezeichnet, geharrt, wieder angefangen zu schwimmen, Mut, Lachen und Halt gefunden, Yoga gemacht und »oh, wie schrecklich schön« bei der neuen Laura-Marling-Platte gedacht, Abschiede genossen, Nähe zugelassen, gesucht, gefunden, schon früh nach dem Zähneputzen gekotzt, am Telefon 1:51 vergnügt schimpfen lassen und dabei über das böse F-Wort aus wild erregtem Frauenmunde sehr gelacht. Lesestoff: Homer: Die Odyssee, Stendhal: Novellen, Neruda: Gedichte. Lieblingslauschgift: Here Are The Sonics, Arabia Moutain - Black Lips, The Idiot von Iggy Pop, The Heart Of Saturday Night von Tom Waits und eine Northern Soul-Compilation.


Altera Ithaca Now! oder Was machen Sie nach Acht und ohne Ausgang? - Ich jage Kyklopen!

 
 

Wolken...



Wolken
oder
Fortgang & Rückkehr (sind gleich, aber mein Iro nicht niedlich)

„Du, ich mach‘ mal das Baldachin runter, Dirk
damit die Sonne nicht so knallt, brennt und blendet.
Du, das mit dem in den Wald Gehen und Schreien –
das musst du mir noch zeigen. Wie das geht und
bei Gelegenheit. Du, Dirk, da unten
liefert schon wieder ein Coca Cola-Wagen an;
es ruft, knattert und rumpelt
und hier oben gibt man uns
zu wenig Salat – angeblich wegen der Ess-
verhalteneren. Aber wirklich gestört ist
hier keiner. Nicht mal ich, den auch hier
Niemand man heißt. Wir sind
die ganz normalen Irren, nur,
dass wir ausgezogen sind, um uns
Hilfe zu suchen. Ist das nicht klug? Ratsam
und einfallreich?

Wolken zieh‘n
mal nicht zu Therapien geh‘n
wann hast du zuletzt - - -
vor der Putzfrau flieh’n:
„Warten’Se, ich lass Sie
schon – na, gut.“ „Nein,
es geht doch schon.“
Nachher ein Kaffe mit S. kurz vor
vier in der Nähe des Bahnhofs. Bis dahin
nur das Haarwachs, das nach Kokos riecht.
Dann vielleicht schwimmen, Körper durch-
schneiden chlorreiche Fluten, und die
letzten Gesänge im Zimmer dann
auf Ithaca: Der große Dulder, der
hehre O., kehrt an seinen Hof
zurück, wo sie freien die kluge
und einfallreiche Penelopeia. Es wird
eine bittere Hochzeit.

 
 

Wenn eine Nackte an dir vorübergeht – sieh hin!


The city seems not far away, but people’s minds do.

Wenn eine Nackte an dir vorübergeht – sieh hin!

Heute morgen wandere ich durch die
Dünen meiner imaginären inneren Landschaft.
Die emotionale Brandung klatscht braun
Nur so gen Strand. Scheiße,
Denke ich.

Und da ist kein Vogel, keine Krähe,
Im Flug, den ich deuten kann.
„Und – wie geht es Ihnen heute?
Was fühlen Sie?“ Ich denke, ich fühle –
Nichts.

Die Landschaft ertränkt sich im Meer.