29 Frankie & The Heartstrings - Hunger
(die bessere Weihnachtsplatte, die traditionellere von She & Him außen vor.)
The city’s hard, the city’s fair...

O Captain, my Captain.
· 150 g Mehl,· 2 Eier,· 3/8 Liter Sojamilch oder Sojareismilchdrink
(oder eben die mit der Verpackung zum Essen),· beilagengeeignetes Obst,· eine Prise Backpulver,· Süßstoff.
harsch, harsch
ein blassgelber dotter erhebt sich über’s rübenfelderwärmt erst sich taucht unter im morgennebelschale lippen dein bleich gewordener blickfahles geäst im räderwerk überfrorener nähevor der im radio nur stündlich gewarnt worden istblattlos hält sich die eiche träumt bereits neueneichenlaubblättertraum der zerstoben da raunt
wintersplitterherzkomm‘ du mir im frühlingund wir feiernerneuerung.
![]() |
| „Die hier wieder zutage tretende Oberflächlichkeit mancher Leute kränkt mich und mein Spiegelbild doch merklich.“ |
Don Quixote vom Zentrum Ost- ein Couch- oder Weiße-Ledersessel-Gespräch -»Wissen Sie, ich habe immerzu das Gefühl,um Menschen kämpfen zu müssen. Ich komme aus einem verschwindenden Dorf, eines der, die nach und nach dem Braunkohletagebau und der Misere der realsozialistischen Mangelwirtschaft weichen mussten. Es ist auch nicht leicht, kein Riese zu sein. Zumal, wenn dir ein ungeheures eisernes Riesenrad unablässig das Hinterland abschöpft und unablässig auf Förderbändern das Nichts, das irgendwo hinterm Haus und der Schmiede anfängt, ausweitet. Und dem monotonen, metallischen Hallen des Schaufelrads nichts entgegen zu setzen ist, als die vom Boden zusammengeklaubten Steine, die ein kleiner Junge während der Arbeitspausen an den Wochenenden und Feiertagen diesem Ungetüm entgegen schleudert. Kito Lorenc, ein Dichter sorbischer Herkunft, hat sie in einem Gedicht einmal mit Windmühlen verglichen, und die Absurdität eines Unterfangens ist mir zuerst auch an diesen bewusst geworden: Statt der, um den Arbeiter- und Bauernstaat am Laufen zu halten, avisierten Braunkohle förderten die Laufbänder am Ende nichts als Kies. Schnöden Kies. Dann kam das wirkliche Ende, nämlich das des genannten Staates und es war ganz Schluss, weil zu kostenintensiv überhaupt etwas zu fördern. Unser backsteingelbes Haus war eines der letzten im Ort, das noch stand. Und den der Unsinn noch forderte. Gleich am Eingang der Straße, noch vor der Schule und dem Hort. Ringsumher sich selbst überlassene und verfallende Gebäude und Gehöfte. Was bis heute in mir nachwirkt: Noch immer sehe ich mir lieber die abgelebtesten Ruinen an – statt noch so intakte Fassaden, noch so moderner Architektur. Doch am unheimlichsten neben dem der Häuser war für mich in jener Zeit das Verschwinden der Menschen: Irgendwann war der Einzige, den ich noch meinen Freund nennen konnte, der Hund, den genehmigt meine Eltern mir hatten. Ein Rottweilermischling, so ungestüm wie unerzogen, stürmte immer wild auf einen zu, ohne abzubremsen oder auch nur die Spur von Rast zu kennen. Er zerschmetterte meiner Mutter einmal die Kniescheibe. Später, als wir einmal nicht zugegen waren, stahl man ihn mir aus seinem Zwinger. Ich war untröstlich. Jahre später brachte meine Schwester das Verschwinden dieses Hunds mit unserem bevorstehenden Umzug in das Nachbardorf und den guten Absichten unserer Eltern in einen gedanklichen Zusammenhang. Ich habe das so nicht geglaubt. In einem verschwindenden Dorf verrohten die Sitten zusehends, oft fanden wir Gartenabfälle oder anderen Unrat direkt vor der Haustür. Es ist seltsam, dass ich diesen Hund noch immer misse: auch wenn er verzogen war, ich mochte seine Rohheit, die doch nur eine seltsame, fehlgeleitete Art der Zuneigung zu Menschen war. In gewisser Weise sind wir uns recht ähnlich, ich und der Hund: Ich habe immerzu das Gefühl, um Menschen kämpfen zu müssen, ich muss um Menschen kämpfen, damit sie nicht wieder aus meinem Leben verschwinden wie die Kinder und Freunde damals im Ort. Und das geht meist recht genauso martialisch zugange, wie das eben klingt. Ich stürme blindlings und mit offenem Visier voran und merke mitunter gar nicht, wie sehr gerade dies diese verletzt. Ich bin eben untröstlich.«
»Sie befinden sich hier *.«, ein Sartre-Zitat, Vom Atmen unter Wasser oder
Wie man einen Hurrican überlebt und 15 andere Dinge,
die ich meinem 14jährigen Ich gern noch erzählt hätte
weißt du, irgendwann hast du es raus…
in welche frauen du dich verliebst, immer
die ein wenig geheimnisvoll und ein auch
ein bisschen traurig wirken. was meist,
wenn du ihnen näher kommst… na, das
findest du noch raus. sie schätzen dich,
weil du zuhören kannst,
einen nicht ins wort fällst
weil du so nett bist oder
brav guckst
und natürlich reicht dir das nicht.
so wie der bloße anblick einer landschaft
dich nicht befriedet. wo ist der rauch?
wo die menschen? auch wenn du nicht
unter ihnen leben kannst. oder essen.
und schlafen. apropos: du weiß nichts
über schlafstörungen (warum sollte
dein schlaf auch ein anderer sein als du
selbst?) solange du nicht eine nacht
auf einer überdosis tabletten ausgeharrt
hast ob du nicht doch noch einen
krankenwagen holen sollst. oder du dich
in den rudimenten von dem, was einmal
deine küche war, wiederfindest,
die das wasser aus der spüle
geschluckt hat, genau wie
deine arbeit,
den trauten herren magister, auf den du
gebaut hattest: alles im orkus, der unter
dem gelbgesprenkelten laminat ist. o
captain, mein captain, mann über bord!
lass‘ dich einweisen, lern wieder, was
ein gefühl nochmal war, stell‘ dich und
fliehe, & trau‘ nicht jedem hinter-
fotzigem lächeln, aber deinem instikt
und deinem striktem nein in dir.
und deiner, ja, beschissenen menschen-
kenntnis, aber meist liegst du gar nicht
so falsch und immerhin, auch wenn dir
niemand zu oder abrät – das ist doch
schon was. sokrates hatte seinen dämon,
du weißt zumindest, was du nicht willst.
sag das! sag was! sonst – ja, weil sonst –
sie schätzen ein unbeschriebenes blatt
wilder widerworte, die sich ja doch
irgendwie ihren weg bahnen. bahnen!
weil: natürlich reicht dir das nicht.
niemand ist ein so losgelöstes blatt
in dieser satire, die immer nur wieder
fortgesetzt wird. immer nur wieder
wiederaufgeführt und nicht absetzt
wird. es treten auf, es treten wieder
ab. jeder so gut, wie er’s eben kann. und
wenn nach den satiren, immer nur
wieder neue folgen,
albern,
einfältig und um
keinen deut
besser, warum diese dann nicht fort-
schreiben. ein wenig noch.
sei höflich, zuvorkommend und die
pest für den, der sie verdient. nett
sein und schlafen, kannst du auch
auf dem weg zur hölle („die hölle, [sagt
sartre] das sind …“ sowieso) und
der kaffee muss schwarz sein
und die locken
und der wein
und der akzent
des mädchens müssen spanische sein.
ab und zu reicht auch der wein in den
bechern, mag sein.
…und wenn du mal alleine bist, und fühlst
dich so allein, geh‘ doch in eine bar und tön‘:
mit euch nehm‘ ich’s noch allen auf! &
krieg ordentlich eine rein. im übigen:
verachte, servilität und denunziantentum,
und schäme dich deiner gleichgültigkeit
gegenüber denen, die du nicht liebst –
was der zahl sehr viele sind.
wie man einen hurrican überlebt? –
nichts leichter als das! es ist ganz einfach,
wie beim atmen unter wasser: du tust es
einfach, wenn es soweit ist. ob du es kannst,
den beweis bleibst du bis dahin immer
nur schuldig. aber im prinzip ist es doch so:
du nimmst in irgendeiner ecke des zimmers
den kopf runter, und denkst dir – nein, du
schreist: beim sokrates, das bisschen wind!
was ist das schon im vergleich zu
dem sturm, der da doch in deinem kopf tobt,
und in dessen auge
du dich jetzt gerade befindest,
das jetzt gerade auf dir
ruht.
- und das atmen unter wasser? -
- nichts leichter als das:
du atmest ein.
du atmest aus.-
abgang & schluss.
September 2011
![]() |
| [klick!] |
The city’s hard, the city’s fair sucht dich! Sofern du ein talentierterer Grafiker als wir (Dilettanten! Amateure!!!) bist und/ oder schreiben kannst...The city’s hard, the city’s fair ist, war und bleibt auch zukünftig dem Wahnsinn seines alleinigen Autors und Schöpfers vorbehalten. Der hasst Twitter immer noch. Und ab und an auch andere Menschen. Aber hat die DIY-Attitüde nun wohlverstanden und schier schätzen gelernt.
Obwohl wir die »Einsamkeit des Denkens« durchaus auch schätzen, soll The city’s hard, the city’s fair darum trotzdem kein monologisches Sprechen sein; wir schätzen durchaus auch den (dialektischen) Agon, so denn dieser im Dienste einer Wahrheit steht, die allerdings auch für uns nicht mehr sein kann als ein Aporien freies Wissen. Insofern: Diskussionen sind durchaus erwünscht, solange sie nicht in die Niederungen pseudophilosophischen Blablas abdriften und der Ton dabei gewahrt bleibt, Beschimpfungen sind - gegebenenfalls und berechtigterweise - sofort an mich zu richten; Anregungen, Fragen, Wünsche dito.
Haftungsausschluss und Datenschutzerklärung
plus ||
The city’s hard, the city’s fair stellt keine Alben, Musikdaten, Texte oder Filme online, die nicht (semi)-offiziell auch dafür bestimmt sind. Zwar ist uns das Anhäufen von Eigentum, zumal wenn dieses nicht mehr als einen denn eher ideellen oder nur imaginären Inhalt hat, mehr als suspekt, aber wir achten so etwas wie eine Urheberschaft und die damit verbundenen Rechte, auch wenn es nicht minder originell ist, einen Gedankengang zu entdecken oder nachzuvollziehen, den so schon ein Sokrates vor Hunderten von Jahren hatte haben können... zudem gibt es dafür andere Seiten, auf die nachgefragt, wir keine Aussage verweigern werden.
The city’s hard, the city’s fair bemüht sich, Zitate erkenntlich zu machen und an irgend einer Stelle als solche auch nachzuweisen.
The city’s hard, the city’s fair twittert nicht.
The city’s hard, the city’s fair...